Station 4 - Bismarckplatz Deutsch Station 4 - Bismarckplatz English Station 4 - Bismarckplatz Français Station 4 - Bismarckplatz Slovenski Station 4 - Bismarckplatz Magyar

Station 4 - Bismarckplatz

Als die Post nach Weiz kam

Südtiroler Platz in Weiz
K&K Postamt in Weiz

Das wird, so dünkt es uns, vor langer, langer Zeit gewesen sein. Mitnichten. So alt ist die Post, wie wir sie kennen und als eine selbstverständliche staatliche Einrichtung verstehen, so alt ist sie in Weiz doch nicht. Was nicht heißen soll, dass etwa nicht auch hierzulande Brot-, und Briefschaften seit jeher von Haus zu Haus, von Ort zu Ort gelangten. Grundherrschaften, Magistralrat und Dechantei hatten ihre festen Boten, zu Fuß und zu Pferd.

Der Hausname „ban Bot’n“ erinnert dort und da noch heute an diese Dienste – Handels-, und Gewerbeleute mussten ebenso Boten bestellen, wie Liebesbekundungen zu allen Zeiten ihre Boschafter fanden.

Ein vorzüglich arbeitender Vorläufer und Wegbereiter des k.u.k. Postwesens war bei uns die sogenannte „Kleine Grazer Briefpost“, gegründet 1796. Ihr erster Weizer Bote war Leopold Unterreitter. Weiz gehörte in jener Einrichtung zur Kreispoststation St. Ruprecht a.d. Raab, deren Bereich Maria-Trost wie Birkfeld umfasste, sich auch auf Pischelsdorf und Pöllau, schließlich bis St. Johann/Herberstein, Ratten, Vorau und Friedberg erstreckte.

In Weiz hatten sich dem Unternehmen die Herrschaften Thannhausen und Münichhofen, der Pfarrhof, der Magistrat und Franz Mosdorfer angeschlossen. Am 24. April 1841 richtete die k. u. k. Oberpostverwaltung für Steiermark, die in der Oststeiermark lediglich die Strecke von Graz nach Fürstenfeld betreute, an den löblichen Magistrat zu Weiz ein Schreiben, das die Einrichtung des staatlichen Postdienstes einleitete. „Es ist der Wunsch rege geworden“, begann der höfliche Brief, „dass zwischen Weiz und Graz eine direkte Postverbindung eingerichtet werde“, die Oberpostverwaltung wäre nicht abgeneigt…

…Behutsam ging auch der Magistrat vor, war doch die bisherige Einrichtung recht zufriedenstellend, entschloss sich dann aber doch zu einer staatspostwilligen Entscheidung. Im Herbst 1841 kam es zur ersten Ausschreibung der Posthaltestelle. Der einzige Bewerber war ein Thannhausener Amtsbote. Obgleich der bestbeleumundete junge Mann gute Voraussetzungen für dieses Amt mitbrachte, konnte er die Prüfungsanforderungen nicht bestehen.

Die Stelle wurde neuerlich, diesmal mit erhöhten Bezügen, ausgeschrieben. Doch auch der nächste Bewerber entsprach nicht den Bedingungen. Allem Anschein nach hatte der Magistrat die möglicherweise von Anfang angestrebte Lösung gefunden: Für den 1. Jänner 1873 wurde die Eröffnung der „Briefsammelstelle Weiz“ angezeigt und mit 4. Jänner 1843 begannen die Postwagenfahrten von Weiz nach Graz.

K.u.k. Briefsammler, also erster Posthalter, war der Weizer Bürger Gustav Valentin und sein Haus war das erste Postgebäude: Lederergasse 14 (E. Weber). Valentin war zwar erst kurze Zeit Bürger von Weiz, genoss aber großes Ansehen, wurde Magistratsrat, Kämmerer und Spitalsverwalter.

Jeden Mittwoch und Samstag fuhr von hier um fünf Uhr früh ein bequemer, für sechs Personen eingerichteter geschlossener Wagen nach Graz, wo er gegen zehn Uhr vormittags eintraf. Ein Bote zu Fuß wird kaum fünf Stunden benötigt haben! Um drei Uhr nachmittags trat der Postwagen vom Gasthof „Zur Goldenen Krone“ in der Färbergasse die Rückfahrt an und langte „längstens“ um acht Uhr abends in Weiz ein. Eine Fahrt kostete je Person 24 Kreuzer.

Nach der politischen Neuordnung und Verlegung der Bezirksbehörden von Thannhausen nach Weiz, das nun auch Sitz der Bezirkshauptmannschaft wurde, nahm der Ausbau des Poststreckennetzes einen raschen Aufschwung. Tägliche oder zumindest wöchentlich mehrmalige Verbindungen gab es außer nach Graz, nach Birkfeld, Gleisdorf Passail und nach Kindberg. Fußboten, Reitposten und Postwagen waren täglich unterwegs. Ein neuer Abschnitt der Postgeschichte war in Weiz angebrochen.

Leopold Farnleitner

Alte Ansichten - Neue Ansichten

In dem aus dem 16./17. Jahrhundert stammenden Haus an der Ecke Dr.-Karl-Renner-Gasse/B ismarckgasse übten mehr als 100 Jahre Hufschmiede ihr Handwerk aus, bis 1895 nach Verkauf das erste Kaffeehaus von Familie Nawratil eröffnete. 1906 wurde das Anwesen zum Hotel „Stadt Graz“ umgebaut und bot bis 1923 gleichzeitig Werksfassung und Küche für die Mitarbeiter der Gesellschaft für Elektrische Industrie A.G. in Weiz, der späteren ELIN.

Das Hotel wurde 1969 an Familie Starkel verkauft, die dem Haus eine neue Funktion zuführte: Elektrogeräte aller Art wurden hier angeboten und serviert. Heute führt Niedermeyer den Standort weiter. Bedauerlich ist, dass der einst so üppige Garten vor dem Hotel letztlich Parkplätzen weichen musste.

alte Ansicht
neue Ansicht

Die alte Bürgergasse heißt seit Beginn des 20. Jahrhunderts Bismarckgasse. Hier blickt man Richtung Südtirolerplatz auf das alte Pichlerhaus. Das Gebäude links im Bild gehört noch zum Anwesen Haas, das sich vom Hauptplatz bis zur Bismarckgasse erstreckt. Mehr als 300 Jahre übten hier Wachszieher und Lebzelter ihr Gewerbe aus.

Weitreichende Um-, und Zubauten haben das Straßenbild inzwischen nachhaltig verändert. Das alte Pichlerhaus zeigt sich heute als modernes Bürogebäude und das Schuhaus Nagl – seit Ende der 50er Jahre im Besitz der Familie – wurde umfassend ausgebaut.

alte Ansicht
neue Ansicht

Die Schulgasse erhielt ihren Namen, nachdem die bürgerliche Marktschule vom Taborgebäude in den inzwischen abgerissenen Südfl ügel des Schlosses Radmannsdorf übersiedelt war. Noch heute führt diese Gasse zu Schulen. Das Anwesen links war ursprünglich ein L-förmiger Bau im Besitz des Schuhmachers Wonisch. An der Tür sind noch die Initialen des Handwerkers zu sehen.

Seit 1923 ist das Anwesen an der Ecke Bismarckgasse/Schulgasse Sitz der Volksbank. S chuhmacher Wonisch vermietete das Gebäude zunächst nur; wenig später ersteigerte es die Volksbank. Bereits in den 50er Jahren wurde das Haus nachhaltig umgebaut. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt es erst vor wenigen Jahren.

alte Ansicht
neue Ansicht

Einen Steinwurf weit weg von der Schulgasse war die Gemischtwarenhandlung des Albert Zirps in der Bismarckgasse zu fi nden. Um sein riesiges Warensortiment – Hemden, Regenschirme, Seifen, Spielkarten, Salami, Käse, Pfeifen, Feinkost, Naschwaren uvm. – besser präsentieren zu können, nutzte Zirps die Auslagen gegenüber seines Geschäftes.

Nach Abriss der Zirp‘schen Auslagen wurde aus der schmalen Gasse ein kleiner Platz. Als solcher wird er nach der Einführung der Fußgängerzone 1999 auch für kleinere Veranstaltungen genutzt, wenngleich es offi ziell eigentlich noch immer keinen Bismarckplatz gibt!

alte Ansicht
neue Ansicht
alte Ansicht
neue Ansicht

Am Übergang von der Bismarckgasse zum Südtirolerplatz stand eine alte Mühle. 1542 wird sie erstmals im Besitz eines Bäckers genannt. Sie gilt als die erste bürgerliche Mühle am alten Mühlgang. Zuletzt in Besitz des Gottfried Haas wird sie noch einigen alten Weizerinnen und Weizern in Erinnerung sein. Dieses Foto zeigt sie in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die alte Mühle ist längst aufgelassen. Zahlreiche Um-, und Ausbauten lassen das Anwesen heute kaum wieder erkennen. Auch den alten Mühlgang, an dem sich einst die Mühlen,  Hämmer, Lederer und Gerber wie Perlen auf einer Schnur aufreihten, gibt es längst nicht mehr.

Weiz für kleine Entdecker

Hier befindest du dich in der Bismarckgasse, genau wo vor ca. 500 Jahren ein Kaufhaus war. Es gab hier nicht nur Wurst, Käse, Süßigkeiten usw. sondern auch Regenschirme, Hemden, Seifen… – einfach alles, was man zum Leben braucht. Wenn du geradeaus schaust, dort, wo heute der Friseur Lisbeth zu finden ist, war zur damaligen Zeit eine Mühle. Der Mühlgang - ein Kanal, in dem Wasser floss, welches das Mühlrad angetrieben hat – zog sich durch diese Gasse.

Überhaupt waren hier sehr viele Handwerker in den umliegenden Häusern angesiedelt und es herrschte reges Treiben. Ein Hufschmied, ein Schuster, ein Schneider, Lebzelter und Wachszieher waren hier zu fi nden. Wie der Name schon sagt, waren dies Lebkuchenbäcker und Leute, welche aus Wachs Kerzen und Bilder gemacht haben.

Die einzelnen Handwerker hatten zu dieser Zeit ihr eigenes Zeichen, welches fast immer an den Gebäuden zu sehen war – dieses Zeichen nannte man Zunftzeichen.

Und so sieht es aus:

Zunftzeichen der Bäcker
Störche in Weiz
Medusa

Der Gasthof zur „Goldenen Krone“ am Südtirolerplatz ist ein traditionelles Haus seit mehr als hundert Jahren. Sogar Erzherzog Johann, der berühmte Heimatdichter Peter Rosegger, Arnold Schwarzenegger und viele mehr haben hier schon genächtigt.

Alle Jahre in den Sommermonaten bekommt der Gasthof Besuch von weiteren besonderen Gästen. Störche kommen seit wir denken können und nisten auf dem Schornstein. Viele Weizer und auchdie Wirtin erwarten alle Jahre ungeduldig die Ankunft der „Klappernden Gäste“.

Meereswesen, welches du vielleicht von der Station im Weberhaushof kennst – ist mitten am Südtirolerplatz gepflastert. Sie ist sehr groß und du kannst ja versuchen, ob du die Schlangenhaare, Augen usw. erkennen kannst, wenn du davor stehst. Die Störche vom Dach des Gasthauses haben da natürlich eine bessere Aussicht.

Wenn du vom Südtirolerplatz nach vor schaust, siehst du an den Mauern des Hauses ein großes Sonnensegel, welches nicht nur viel Sonnenenergie erzeugt, sondern es wurde auch immer wieder am Abend als Kinoleinwand verwendet. Die Übertragung von Filmen funktionierte ganz wunderbar.

Die Person Schöckl Everl stellt sich vor:

Schöckl Everl

Grüaß Euch Gott, meine liabn Leut, i bin die Schöckl-Everl und i möchte euch hier a paar Gschichterln derzählen von Weizer Originale, de in der guaten alten Zeit da dahaom waren. Des meiste is mindestens 80 bis 100 Jahr her, manches a no länger. I hab die meisten von denere Leut ja no selber kennt, weil i hab ja a vor über 100 Jahr da in der Nähe glebt, i hab mei klane Keuschn am Fuaß vom Schöckl ghabt, in Graz drean, wo i meine Heilkräuteln an die Leut und a an die Apotheken verkauft hab, hab i zeitweis a mein Quartier ghabt.

Do hobn’s no lang g’lacht, im Hotel zur Stadt Graz, über de Handschuh

Die Bismarckgassen is auf Anregung einer nationalen Studentenbewegung nach dem deutschen Reichsgründer Otto von Bismarck so tauft wurden. Vorher war des die Bürgergassen und no früher die Schmiedgassen, weil da a Schmied ansässig war. Am Eck, wo die Karl-Renner-Gossn vum Hauptplatz abakimmt, des war früher amol das Hotel zur Stadt Graz und da war des Bankett noch der Eröffnung der großen Kunstausstellung vun 1926 angsetzt.

Damals war Weiz nou ka Stadt, des is erst 1932 wurdn, wullten die Gmeindeväter mit eanern Marktfl ecken halt a gern a bisserl zur großen Welt ghern und haben beim Land um a Ausstellung von Format angsuacht. Und tatsächlich, a Teil vun aner großen Grazer  ustellung is a noch Weiz kemman.

Der berühmte Maler und Bildhauer Hagenau-Müllern, den heute kaner mehr kennt, war selbst bei der Eröffnung anwesend und hat a wesentlichen Einfl uss auf die Gestaltung gnummen. So hat er justament drauf bestanden, in aner eigenen Vitrine sein alten, mit Farb verschmierten Arbeitshandschuah auszustellen, weil des angeblich a so a beredtes Zeugnis seiner selbst sein hätt sulln. Jetzt hat eahm natürli kaner beleidigen wulln, und sei haben den hinigen Handschuahausgstellt, obwohl eigentlich alle unisono der Meinung waren, dass des alte Graffel eher weggschmissen gherat als ausgstellt. Und wias halt immer is bei so große Ausstellungen, sans erst am Eröffnungstag selber fertig wurden, und der Verantwortliche hat der Auframerin no schnell auftragen, dass alles weggramt und wegghaut, was wegghaut ghert..., des hätt er net tuan sulln, weil beim letzten Rundgang hot er plötzlich gsehn, dass die Vitrine mit dem Handschuah leer war. Jetzt is ihm eingfalln, dass er auf der Straßn draußen an Bettler gsehn hat und in seiner Verzweifl ung hat er den seine Handschuh für a Stund ausgliehen, länger hätt die Eröffnung wuhl net dauern sulln, und hat eahm a an Schilling Leihgebühr geben.

Des war damals vül Geld. Der Schilling war erst zwa Jahr vurher, im 24er Jahr eingführt wurden, die Infl ationszeit is endlich überwunden gwesen und um an Schilling hast a Gulasch mit aner Semmel und a Bier gkriagt. 1 Schilling, des waren 10.000 Kronen, dabei waren 10 Kronen vurm Ersten Weltkrieg no a Goldmünzen so wia heut der klane Philharmoniker; so verheerend hat die Infl ation in die 20er Jahr zuagschlogen.

Jedenfalls war koan aufgfolln, dass in der Vitrine auf amol zwa hinige Handschuah glegen san statt nur an, wann net nach a paar Stund — hat wuhl do länger dauert als gedacht — da Bettler mitten im Saal gstanden war und lautstark nach seine Handschuah verlangt hätt, „weil es is do recht kalt draußen!“ Der Marktpolizist hat no schnell versucht, den Bettler außi zan schaffen, aber es war schon zu spät und die Blamage net mehr zum Aufhalten. Zum Glück haben´s dann den Originalhandschuah do no im Mistkübel gfunden..., aber das Gelächter war natürlich gewaltig, net nur da beim Festbankett im Hotel zur Stadt Graz, sondern in ganz Weiz und Umgebung, und des no tagelang.

Des wor's soweit von mir...
...bis zum nächsten Bankerl.

Gestatten: Sepp Trifter!

Trifter Sepp

Mit seiner Größe von 2 Metern und 5 Zentimetern, einem Gewicht von 185 Kilogramm und der Schuhnummer 54 sah er beinahe so aus, als käme dieser Kraftlackel von einem anderen Stern. Sein großer Hut und der Kaiserbart ließen ihn noch größer erscheinen.
Die Leute, die ihn kannten, wussten von seiner Gutmütigkeit und behandelten den Herkules mit dem nötigen Respekt.

Der Ordnungshüter

Geboren 1885 und 64jährig, 1949, in Weiz verstorben. Trotzdem er als Kinder liebend bekannt war, machten wir Kinder einen großen Bogen, wenn wir den Herkules sahen. Schon von weitem grüßten wir sehr artig, denn seine Stärke war uns hinlänglich bekannt.

Der Arbeitsplatz des Trifter Sepp war der Verladebahnhof in Weiz.  Zur schnelleren Entladung der Kohle, die aus Ratten kam, ließ der Sepp eine extra große Schaufel beim Wachtler-Schmied in der Marburgerstraße machen.

Ein ihm zugeteilter Helfer trank sehr gerne den guten steirischen Most. Als er einmal etwas über den Durst getrunken hatte und der Sepp den Platzmeister kommen sah, packte er seinen Helfer, legte ihn in einen leeren Waggon und machte die Schiebetür zu. Der Sepp konnte nicht wissen, dass fünf Minuten später der Zug mit dem angehängten Leerwaggon nach Gleisdorf fuhr. Bei der Station St. Ruprecht wurde man auf das Geschrei und Gepolter aufmerksam, öffnete den Waggon und darin befand sich der von Sepp hineingelegte Helfer. Mit irrem Blick und stotternder Stimme sage er immer wieder, er sei durch die Hölle gefahren und werde nie wieder Most trinken.

In St. Ruprecht und Weiz lachte man darüber, als man erfuhr, dass der Sepp seinen Helfer im Waggon deponiert hatte.

Ein gut gehendes Gasthaus in Weiz, in dem es immer sehr lustig zuging, hatte außer einer Kegelbahn auch eine „Zinkerlbahn“. Die älteren Leser werden sich noch daran erinnern, heute ist sie durch moderne Glücksspielautomaten ersetzt. Es ging wieder einmal recht lustig im Gastzimmer zu, als die Tür aufging und ein angeheiterter Handwerksbursche erschien. Er belästigte die Gäste an den Tischen und schrie laut: „I bin a Tiroler, gebt’s ma wos zan Trinken, sonst kracht’s!“

Auf einmal erschien der Trifter Sepp, wer ihn geholt hatte, wusste man nicht. Ehe der Handwerksbursche sich versah, hängte ihn der Sepp nach einigen kleinen Rüttlern auf den an der Wand befestigten schmiedeeisernen Kleiderständer. Dann sah der Sepp sich um und sagt: „So, Weizer Bürger, oba lost’s euch net lumpen, und füllt’s ma mei Kandl mit Most aun!“ Seine Kanne wurde mit fünf Liter Most gefüllt, und wie er gekommen war, verschwand der Sepp wieder. Der Handwerksbursche, dem so etwas noch nie widerfuhr, sagte: „Bittschön, helft’s ma obe, i geh glei furt.“

Es war wieder Ruhe im Gastzimmer eingekehrt. So einfach war das mit dem Sepp.

Der Vater einer Weizer Schuldirektorin, der Pächter eines Gasthauses war, erzählte mir, dass er bei seinen Veranstaltungen und Festen immer den Trifter Sepp engagierte, welcher allein durch seine Anwesenheit für Ruhe sorgte. Billig war es zwar nicht, denn die Ess-, und Trinkgewohnheiten waren dem Wirt ja bekannt.

Hans Ritz

Der Schwammerlkönig

Richard Heil mit einem riesigen Herrenpilz

Wer kannte ihn nicht, Richard, den Schwammerlkönig von Weiz? Er war uns Schwammerlsuchern ein Begriff. Wenn es Schwammerl gab, war er sicher der Erste, der sie fand. Dann brauchten wir den Wald nicht aufzusuchen, er war für uns wie ein Barometer,
der Richard.

Man musste sich vor ihm in Acht nehmen, denn er war für seine Späße hinlänglich bekannt. Dass er selbst einmal Opfer einer Vertauschung wurde, sei hier nur kurz erwähnt. Da Richard der Schwämme-Lieferant der Weizer Gasthäuser war, dachte er, er müsste auch seiner Frau einmal eine Freude bereiten. Der nächste Fund galt dem häuslichen Herd, nur kam er mit seinen Pilzen bei einem Gasthof auf der Wegscheide nicht vorbei.

Die lustige Tischrunde ließ Richard sehr spät erst nach Hause gehen. In der Zwischenzeit hatte man seine Pilze gegen Kartoffeln ausgetauscht. Zuhause angekommen, entdeckte seine Frau den Tausch. Ersparen Sie mir die weiteren Worte!

Wie kam der „Schwammerlkönig“ zu seiner Popularität? Richard war Treiber bei vielen Jagden. Er kannte alle Jäger im Bezirk Weiz und so erfuhr er von den besten Pilzplätzen im großen Jagdrevier von Fischbach bis St. Anna am Aigen und vom Schöckel bis zum Wechsel und zum Kulm.

Ein Weizer Bürger zeigte mir einmal einen großen Korb mit Pilzen. Alle waren fast gleich groß. Ich fragte, wo er sich gefunden habe; zwar eine überfl üssige Frage, denn ein richtiger Schwammerlsucher wird den Standort seines Fundes nie bekanntgeben. „Vom Richard habe ich sie bekommen“, sagte er, „sie stammen von St. Anna am Aigen“.

Einige Tage später fuhr ich nach St. Anna. An der Kreuzung der Straße stand ein großes Gasthaus mit einer Pilzsammelstelle. Dort konnte man um billiges Geld Pilze und Recherl kaufen. Somit war eines der Rätsel um Richard gelöst.

Ein großer Nimrod aus Weiz hatte viele Pilze gefunden und einen Hasen erlegt, der ihm zufällig über den Weg gelaufen sei, so sagte er. Er prahlte im Gasthaus, welch herrliches Essen ihn am Sonntag erwarte. Die Gasthausrunde gratulierte dem Jäger. Es wurde viel getrunken und gelacht, es wurde eine richtige „Jägerlatein-Stunde“ daraus.

Im Vorraum stand der Rucksack des Jägers mit dem Hasen und den Pilzen. Man tauschte den Inhalt gegen eine tote Katze und einige Äpfel aus. Die Sperrstunde nahte, der Jäger ließ sich aufgrund seines Alkoholspiegels mit dem Taxi nach Hause bringen. Auf den Rucksack hatte er vergessen. Dieser stand wohl präpariert im Vorraum, wo er ihn abgestellt hatte.

Am nächsten Tag kam er in aller Frühe zum Gasthaus, um seinen vergessenen Rucksack abzuholen. Böses ahnend machte er den Rucksack auf. Es war wirklich so, wie er geahnt hatte. Mit Richard hat er lange nicht geredet. Warum gerade mit Richard? Es waren doch viele bei der Tischrunde dabei gewesen – oder hatte er vielleicht richtig vermutet?

Eine kleine Geschichte, die uns ein Jäger aus der Etzersdorfer Gegend in einem Gasthaus in Weiz erzählte: Er hatte einen Jäger aus Deutschland eingeladen. Dieser durfte im Revier einen Rehbock schießen. Nach einigen Vorbereitungen saß man im Morgengrauen auf dem Hochsitz und erwartete den zum Abschuss freigegebenen Bock. Stattdessen kam ein Mann angeschlichen, der mit einer Taschenlampe von Baum zu Baum ging. Der deutsche Jagdgast vermutete einen Wilderer. Er stieg vorsichtig vom Hochsitz herunter und stellte den vermeintlichen Wilderer. Er schrie zum Hochsitz: „Ich hab den Wilderer“, worauf vom Hochsitz die Antwort kam: „Ich glaube, dass du den Schwammerlkönig von Weiz hast!“

Am Abend, beim Jägerstammtisch, bei dem auch Richard dabei war, wird man noch viel gelacht haben. Allzu früh verstarb unser Richard. Er wurde das Opfer eines Verkehrsunfalls, doch viele denken noch an ihn. Leute mit Humor trifft man schon ganz selten, dabei ist lachen so gesund.

Hans Ritz

Festessen im Radmannsdorfer Wald

Herr Adelmann war ein Eigenbrödler und großer Sparmeister

Dass der Trifter Karl der Wasenmeister (Abdecker) von Weiz war und sein Bruder Sepp mithalf, dürfte vielen älteren Weizern noch bekannt sein. Herrenlose Katzen und Hunde wurden von den beiden eingefangen. Sehr begehrt war das Hundefett. Dass das Fleisch auch verzehrt wurde, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Viele Katzen wurden als
Hasenbraten (Dachhasen) verkauft, und das Fell der Katzen soll bei Rheuma Wunder gewirkt haben.

Auch andere Tiere wurden den beiden zur Beseitigung übergeben. Als in der Landwirtschaft der Familie Mosdorfer-Knill in den dreißiger Jahren eine große Fadl-Sau den Rotlauf bekam und verendete, wurde sie, wie es damals üblich war, gleich vergraben. Für den Verkauf war das Fleisch nicht geeignet. Dies kam natürlich auch dem Karl und dem Sepp zu Ohren. Am siebenten Tag gruben die beiden in der Nacht die Sau wieder aus. Im Volksmund hieß es, die Erde würde nach sieben Tagen die Krankheit ausziehen.

Nun begannen in der Behausung des Karl die großen Vorbereitungen für den Festschmaus im Radmannsdorfer Wald. Die Nachbarn wurden eingeladen, Brot und Most mussten sie mitbringen. In Erinnerung blieb mir die übergroße Eisenpfanne, in der es tagelang brutzelte. Wir Kinder mussten mit den Milchkannen zu den Bauern Most betteln gehen. Heute wäre dies alles nicht mehr möglich, aber die Not in den dreißiger Jahren war groß. Den Älteren brauche ich es nicht zu erzählen, und die Jungen werden es kaum glauben.

Am meisten profi tierte von diesem Festschmaus der in der Nähe wohnende Einsiedler Adelmann. Er hatte sich eine Holzhütte vom Trifter Karl gemietet, die Eingangstür hatte er zugenagelt, und an der Rückseite hatte er einen Eingang gegraben, den er mit Reisig zudeckte. Auf dem kleinen Dachboden befand sich etwas Heu, welches ihm als Schlafstelle diente, und wenn er schlafen ging, zog er die Holzleiter zu sich hinauf. Wer ihn sah, glaubte einen Bettler vor sich zu haben, und daher schenkten ihm so manche Weizer Schuhe, Anzüge und Mäntel, doch schon am nächsten Tag hatte er alles wieder verkauft.

Im Jahr 1945 verlor er alle seine Ersparnisse und fi ng von neuem an zu sparen. Ich sah ihn mehr als 30 Jahre mit der gleichen Bekleidung herumgehen.

Wenn er ein Gasthaus aufsuchte, um etwas zu essen, nahm er immer sein eigenes Besteck aus dem Überrock heraus. Zigaretten rauchte er hintereinander, um die Streichhölzer zu sparen, wie er selbst sagte.

Auch der Einsiedler Adelmann sprach noch viele Jahre danach immer wieder vom guten Schweinsbraten im Radmannsdorfer Wald, so etwas Gutes hätte er nie mehr bekommen. Er brauchte ja auch nicht dafür bezahlen! Als er kurz vor seinem Tod ins Krankenhaus kam, stahl ein Langfi nger seine Ersparnisse. Der Adelmann war schon ein sonderbarer Kauz, tat niemanden etwas zuleide und war zeitlebens ein braver Arbeiter.

Hans Ritz

Straßennamen und deren Bedeutung:

Bismarckgasse:
Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen, 1815 – 1898, Gründer des Deutschen Reiches von 1871. Die auf Ausgleich bedachte Außenpolitik verschaffte Bismarck internationales Ansehen. Auf Anregung einer nationalen Studentenverbindung hat diese Gasse den Namen erhalten, sie hieß davor Schmiedgasse, aus gutem Grunde, werkte doch an ihrem Anfang ein gesuchter Schmied.

Rathausgasse:
Das Rathaus war im 16. Jahrhundert erbaut worden, entgegen dem Brauch nicht unmittelbar am Platz, sondern eigentümlicherweise abgesetzt, doch sichtbar. Der in schönem Maßwerk geschaffene, dem Platz zugewandte Erker war vor dem Ersten Weltkrieg aus Anlass eines Umbaues, wie eine Nachricht besagt, „barbarisch“ zerstört worden.

Dr.-Karl-Renner-Gasse:

Dr. Karl Renner, 1870 – 1950, Baumeister Österreichs 1918 und wieder 1945. Die einst Herrengasse benannte Straße war seinerzeit die Hauptverkehrs-, und Geschäftsstraße.

Schulgasse:
Die alte bürgerliche Schule war anfänglich im Rathaus, dann im Taborgebäude untergebracht; es war dies die Marktschule, zum Unterschied von der Pfarrschule am Weizberg. Nach der Verlegung der Militärerziehungsanstalt von Weiz nach Graz (1858) und der Notwendigkeit, mehrere Klassen zu führen, übersiedelte die Schule in das Schloss Radmannsdorf und zwar in den mittlerweile abgebrochenen, „Erziehungshaus“ genannten Teil. Auch heute führt die Gasse wie ehedem zu Schulen.

Zum Vergrößern bitte anklicken

Unterkünfte
Anfrage
Branchenverzeichnis

Tag der Vereine

Tag der Vereine in Weiz

Präsentation von Einsatzorganisationen, Sport- und Freizeitvereinen, Ostbox.

Details / Informationen

Weiz - St.Ruprecht

Servicecenter für Tourismus
und Stadtmarketing

Hauptplatz 18
A-8160 Weiz

Telefon:
Fax:
E-Mail:
+43 (0) 3172 / 23 19-660
+43 (0) 3172 / 23 19-9660
tourismus (at) weiz. at

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag:
von 9.00 bis 18.00 Uhr