Geschichte der Marktgemeinde St. Ruprecht

Geschichte der Marktgemeinde St. Ruprecht

Einer der ältesten steirischen Orte

Die Geschichte der Marktgemeinde St. Ruprecht an der Raab setzt sich eigentlich aus der Geschichte der 3 Gemeinden Etzersdorf-Rollsdorf, Unterfladnitz und St. Ruprecht/Raab zusammen.

St. Ruprecht an der Raab selbst hat eine lange bewegende Geschichte. Die Ursprünge St. Ruprechts an der Raab sind in dem im Jahre 860 von König Ludwig dem Deutschen dem Salzburger Erzbischof geschenkten Guts- oder Herrenhof ad Rapam zu suchen. Hier wurde der Ort das erste Mal erwähnt.

Ausschnitt aus der Urkunde des Jahres 860 mit der ersten Nennung "ad Rapam"
Ausschnitt aus der Urkunde des Jahres 860 mit der ersten Nennung "ad Rapam"

St. Ruprecht wird zum Markt

Schon früh dürfte es auch im Bereich dieses Hofs eine Eigenkirche gegeben haben, aber erst 1189 erfahren wir urkundlich von einem Pfarrer und dem Patrozinium der Kirche. Aus dem Hof war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Dorf entstanden. 

Mit der Errichtung des Bistums Seckau 1218 schenkte der Salzburger Erzbischof dem Bischof von Seckau Pfarre und Dorf St. Ruprecht an der Raab als Mensalgut zur Sicherung seines Einkommens. Die Bewohner des Dorfes waren nun dem Seckauer Bischof untertan und leisteten ihm Dienste und Robot.

Schon seid dem 12. Jahrhundert entstanden aus bäuerlichen Dorfsiedlungen Märkte in unmittelbarer Nähe waren das Gleisdorf und Weiz. Das war für die Grundherren wichtig, denn nur in einem Markt war die Ausübung von Handel und Handwerk erlaubt. Um St. Ruprecht an der Raab auch zu einem wirtschaftlichen Zentrum werden zu lassen, trachtete der Seckauer Bischof danach St. Ruprecht an der Raab in den Rang eines Marktes zu erheben. Dies wurde 1462 gewährt - St. Ruprecht an der Raab wurde das Marktprivileg verliehen.

Marktrechtsverleihungsurkunde für St. Ruprecht an der Raab, 1462 (Diözensanarchiv Graz)

Zahlreiche Rechte und Pflichten waren mit dieser Markternennung verbunden, war es zum Beispiel erlaubt wöchentlich am Eritag (Dienstag) einen Wochenmarkt und jährlich am Sonntag vor dem St. Magdalenentag (22. Juli) einen Jahrmarkt abzuhalten. Von der Marktrechtsverleihung für St. Ruprecht an der Raab wurden alle Amtsträger des Reiches verständigt und ihnen wurde auch aufgetragen, die Rechte und Freiheiten der St. Ruprechter Bürger zu achten und zu schützen. Mit dem Marktrechtsprivileg stand den Bürgern das Recht auf weitgehende Selbstverwaltung zu. Es wurden absofort Marktrichter gewählt, der die Ruprechter vor dem Grund- und Marktherrn, dem Bischof, vertrat und auch Zivilrichter war. Dieser Marktrichter musste jährlich auch Bilanz ziehen. Die wesentliche Einnahmequelle des Marktes waren die Maut- und Standgelder, die bei den Wochen- und Jahrmärkten eingehoben wurden.

Für die 1462 erlangte "Freiheit" mussten die Bürger dem Bischof aber auch Abgaben leisten. Alljährlich hatten sie als Naturalreichung vier gemästete Kapaune, vier paar junge Hühner, ein Viertel Grundel und 200 Eier nach Graz zu liefern. 

Im März 1569 begann der Marktschreiber mit der Niederschrift eine Protokollbuches über alle Gerichtshändel. Es gibt uns heute einen hervorragenden Einblick in den Alltag unserer Vorfahren. Es ging um Streitigkeiten, üble Nachrede, Schelt- und Schmachworte und Raufhandel, Diebstähle, illegales Fischen in der Raab, aber auch um Bürgeraufnahmen und- abschiede. 

1571 erwarb Matthäus Amman von Ammansegg, Sekretär des Bischofs, den gesamten Markt St. Ruprecht an der Raab mitsamt dem Burgfried und der Gerichtsobrigkeit durch Tauch gegen Weingartengüter im Bereich von Maribor. Später wurden dann Teile wieder vom Seckauer Bischof abgelöst und 1604 war der Seckauer Bischof wieder Grundherr des gesamten Marktes St. Ruprecht an der Raab.

 

(Quelle: Festschrift anlässlich 550 Jahre Markterhebung und 1150 Jahre erste urkundliche Erwähnung im Jahre 2012 - Dr. Robert F. Hausmann)