Franz Pichler

Österreichischer Ingenieur und Erfinder
Geboren 1866 - gestorben 1919, Elektrotechniker, Industrieller, Gründer der ELIN

Franz Pichler wurde als Sohn des Mühlenbesitzers Johann Pichler vulgo Kapfensteiner am 18. Februar 1866 kurz vor Mitternacht in Weiz geboren. Seine technische Begabung erkannten seine Eltern und Lehrer schon in der Volksschulzeit. Sie ermöglichten ihm schließlich ein Studium an der Technischen Universität in Graz, das er 1889 als Diplomingenieur für Maschinenbau abschloß.

Er überredete seine Eltern, die bescheidene Mautmühle in eine moderne Handelsmühle umzubauen und setzte somit den Grundstein für die folgende Entwicklung.

Mit 24 Jahren, 1890, baute Ing. Franz Pichler die erste elektrische Maschine. 1891 wurde dadurch eine Wasserkraftanlage für 80 kW gebaut - die erste Mehrphasenanlage Österreich-Ungarns. Die behördliche Bewilligung zum Bau von elektrischen Maschinen bekam Ing. Franz Pichler allerdings erst am 3. Oktober 1892, zu der Zeit war die Anlage für die Johann Puch AG in Graz schon betriebsfertig.

In Weiz fehlte dem fortschrittlichen Techniker die nötige Unterstützung - das Misstrauen war größer als das Verständnis, ganz nach dem Motto: "Den Strom, den er erzeugt, siachst net, oba wennst den Droht augreifst, bist hin."

1892, am Tag der Hochzeit von Ing. Pichler sollte das Kraftwerk in Betrieb gehen und in Weiz erstmalig die elektrische Straßenbeleuchtung erstrahlen. Doch am Morgen bemerkte man einen kleinen Fehler in der Anlage, den nur Ing. Pichler beheben konnte. So fuhr er mit dem Fahrrad zur 80-kW-Anlage oberhalb der Werke Mosdorfer.

Vor dem Haus Kapfensteiner warteten die Hochzeitsgäste und die Braut. Verstohlen blickte bald der und jener auf die Uhr, um festzustellen, dass auf den für die Trauung angesetzten Termin nur noch einige Minuten fehlten.

Da ging die Großmutter kurz entschlossen zum bereits funktionierenden Betriebstelefon, rief den Bräutigam an und sagte: „Wenn du heiraten willst, komm´ sofort nach Hause! Sonst laß es bleiben.“

Gleich darauf traf der Franzl mit dem Rad ein. Zum Umziehen hatte er keine Zeit mehr. Mit einer Stunde Verspätung setzte sich der Hochzeitszug in Bewegung. Einige Frauen tuschelten, wenn das nur gut gehe – er liebte den Strom ja mehr als seine Braut.
Es ging gut. Er hat es trotz seiner vielen Arbeit vorgelebt.

Da laufend Aufträge einlangten, reichte die provisorische Werkstätte nicht mehr aus. Der Bau einer eigenen Fabriksanlage wurde in Erwägung gezogen. Genau in dieser Phase des Aufbaues kam der erste schwere Schlag, und zwar ausgerechnet aus der eigenen Familie: Der Schwager, der Fürstenfelder Seifenfabrikant Josef Sutter, erschien und erhob den Vorwurf, das Vermögen der Familie werde durch die Gründung des Elektrounternehmens aufs Spiel gesetzt. Im übrigen sei es verantwortungslos, dass der Narretei des „elektrischen Franzl“ keine Schranken gesetzt würden. Er bestehe darauf, dass ihm das Erbteil seiner Frau Anna bar ausbezahlt werde.

Großvater kam dem Wunsch nach, obwohl er wusste, dass dieser Kapitalentzug den weiteren Ausbau des Elektrizitätswerkes in Frage stellte. In dieser schweren Zeit kam unerwartet Hilfe von Ing. Hans Masal. Die Verhandlungen verliefen angenehm. Mit 30.000 Gulden beteiligte sich Masal an Franz Pichlers Unternehmen, das den Namen Weizer Elektrizitätswerk Franz Pichler und Co. erhielt.

Nun war der erste Ausbau des ersten Teiles der neuen Fabriksanlage im Jahre 1897 gesichert. Kaum war die neue Fabriksanlage in Betrieb genommen, trafen viele und vor allem gewichtige Aufträge ein. Die so ausgiebige finanzielle Stärkung des Betriebes durch die Einlage Ing. Masals hielt leider nicht lange an. Zu stark war die Konkurrenz mit den damals schon großen Konzernen, so dass als Folge Geldknappheit zu einer Dauererscheinung wurde.

Am 1. Jänner 1900 trat die Aktiengesellschaft Elin als stiller Teilhaber beim Weizer Elektrizitätswerk Franz Pichler und Co. ein. Nach Vertragsabschluß mit der Gesellschaft für elektrische Industrie wurden die Fabriksanlagen weiter ausgebaut. Ihr Ausbau war dringend notwendig, da der Auftragsstand weiter anstieg.

In dieser Zeit musste Ing. Franz Pichler viel Mühe aufwenden, um die immer wieder auftretenden finanziellen Engpässe zu überwinden. Franz Pichler schlägt viele verlockende Angebote als Manager und Berufungen an Hochschulen aus. Er wollte nicht das Herz und Kernstück seiner bisherigen Lebensarbeit, das Weizer Elektrizitätswerk Franz Pichler u. Co., aus der Hand geben.

Als Leutnant einer Pionierabteilung musste er mit seinen Leuten bei einem Herbstmanöver eine Brücke über die Drau schlagen. Es klappte vorzüglich. Er wurde zum Kaiser gerufen, der bei dem Manöver anwesend war. „Sie sind also der Leutnant der Pionierabteilung. Es war ganz gut, was Sie heute gezeigt haben. Was sind Sie von Beruf? Elektroingenieur? So, so“, sagte der Kaiser, schüttelte den Kopf und ging weiter. Vielleicht konnte selbst der Kaiser mit dem Begriff Elektroingenieur nichts anfangen.

Wen wundert´s, wenn auch die Weizer Bürger einen Abstand zum „narrischen Franzl“ hielten. Viel Unterstützung brauchte er von den Weizern nicht zu erwarten. Gegen Ende des Jahres 1907 war es so weit, dass Ing. Pichler die Fabrik in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Ing. Franz Pichler wurde zum Fabriksdirektor auf Lebenszeit ernannt. Das Elektrizitätswerk blieb außerhalb der Transaktion. Sein Betrieb als lokaler Stromversorger des damaligen Marktes Weiz wurde immer besser ausgebaut und zählt heute zu den bestens fundierten Betrieben in Weiz. Der Geist des Pioniers der Elektrotechnik Ing. Franz Pichler ist in der heutigen Firma immer noch spürbar. Hans Ritz

PS.: Die Vielseitigkeit seines Könnens stellte Ing. Franz Pichler unter Beweis, als er 1891 den Auftrag bekam, die Pläne zur ersten Weizer Wasserleitung, der Kalkleitenquelle, zu erstellen.

Weiz Geschichte und Geschichten
Leopold Farnleitner, Franz Hauser und Hans Ritz