Kurt Weber

Maler

Geboren am 20. Oktober 1893 - gestorben am 30. Mai 1964

Kurt Weber, geboren im alten Weizer Handelshaus am seinerzeitigen Weberplatz, später Bürger-, nun Südtirolerplatz, ist einer der markantesten Persönlichkeiten in der steirischen Kunstgeschichte. Seine Berufung verspürte er erst ziemlich spät. Als Sohn des Kaufmannes Conrad Weber und Rosa, geborene Kollmann, war er zunächst im Handel tätig und hatte als Vertreter bekannter Autofirmen auch wirtschaftliche Erfolge. Erst in den 20er Jahren, als Kurt Weber in Berlin durch einen befreundeten Arzt in die moderne Kunstszene eingeführt wurde und er im "Sturm-Salon" Herwarth Waldens Künstler wie Klee und Kandinsky kennengelernt hatte, wurde sein Interesse geweckt.

Weber hatte fast schon das dreißigste Lebensjahr erreicht, als er sich ernsthaft der Malerei zuwandte. Im Jahre 1927 besuchte er zum erstenmal Paris, wo sich die damals sehr bekannte Malerin Lou Albert-Lasard seiner annahm. In dieser Zeit übte sich Weber in wunderschönen Tuschzeichnungen und so entstand auch das meisterhafte Porträt Lous. Kurt Weber hatte allerdings schon nach seinem Berliner Aufenthalt im Jahre 1922 ein erstes Kunststudium an der Knirrschule in München absolviert – einer Art Freien Akademie nach Pariser Muster, wo etliche Jahre zuvor auch Paul Klee als Schüler aufschien. Danach kehrte er nach Graz zurück und besuchte die Landeskunstschule als Schüler von Thöny und Wickenburg. 1933 fuhr Kurt Weber mit seiner frisch angetrauten Gattin Gertrud nach Dalmatien und von dort nach Paris, wo er sich für drei Jahre niederließ und die "Acadèmie de la Grande Chaumière" besuchte. Wieder war es eine Künstlerin, Hannah Kosnick-Kloss, die ihm die Wege ebnete. Hannah war verheiratet mit dem Maler und Bildhauer Otto Freundlich, der Kurt Weber in aufrichtiger Freundschaft zugetan war. Auf diesem Wege fand Weber Zugang zum Kreise Robert Delaunays, der damals in Paris zu den einflußreichsten Meistern gehörte. Er schätzte das Talent Webers, der nunmehr eine Wendung zum "Orphismus" nahm, einer von Delaunay geprägten Form des Kubismus. Die politischen Ereignisse in Europa ließen jedoch eine Rückkehr nach Österreich ratsam erscheinen; überdies erwartete Webers Gattin Gertrud ihr erstes Kind. So brach man in die Heimat auf, wo Kurt Weber, der schon im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient hatte, die Kriegsereignisse unbeschadet überstand. In dieser Zeit studiert er Bühnenbildnerei bei Pirchan an der Wiener Akademie. Bedingt durch die Einflüsse der Nazi-Herrschaft empfand Weber sich selbst jedoch als "entarteter" Künstler, sodaß in diesen Jahren kaum künstlerische Arbeiten entstanden – vorwiegend entwarf er die Ausstattung für einige klassische Dramen und Opern.

Nach 1945 erhielt Kurt Weber den Lehrauftrag für Zeichnen, Malen und Bühnengestaltung an der Technischen Hochschule in Graz und lehrte zeitweise auch an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz. Was zunächst Teil der Ausbildung für Studierende der Architektur war, entwickelte sich darüber hinaus zu einer wichtigen Kunstschule, aus der einige bedeutende Künstler wie Hans Bischoffshausen, Gerhard Lojen, Jorrit Tornquist und Hartmut Urban hervorgegangen sind.

Die finanziellen Früchte dieses Lehrauftrages waren weniger rosig. Weber war auch kein Geschäftsmann, der sein Talent gewinnbringend verkaufen konnte. Wirtschaftliche Hilfe kam lange Zeit aus dem Elternhaus von Conrad und Rosa Weber, die es als angesehene Kaufleute zu Wohlstand gebracht hatten. Das schöne Haus in der Stadt und viele Grundstücke in der Weizer Umgebung waren sichtbare Zeugen einer vermögenden Familie. Durch diesen finanziellen Rückhalt konnte sich nach dem Krieg das Haus Kurt Webers zum Mittelpunkt einer Gesellschaft entwickeln, die sich der zeitgenössischen Kunst und Dichtung verpflichtet fühlte.

Die "Sezession Graz", Wilhelm Thönys Gründung, erstand wieder unter entscheidender Mitwirkung Webers und 1948 wurde er Mitglied des "Art Club" in Wien. 1950 lernte Kurt Weber in Venedig das Werk Jackson Pollocks kennen. Pollocks Tachismus war schon lange vorher ein unbewußtes Problem Webers. Nun knüpfte er absichtlich an Pollock an und malte als erster Künstler in Österreich tachistische Bilder, die zu den schönsten und tiefsten dieser Stilrichtung zählen.